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Vulkan Irazu

Ein Besuch am Vulkan Irazú

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Groß und mächtig hängen sich in der Regenzeit Gewitterwolken über die Vulkanhänge und die Besucher können die Krater mitunter nur durch eine dicke Nebelsuppe ausnehmen. Im Handumdrehen jedoch, und meist nach einem heftigen Donnerwetter, überrascht strahlender Sonnenschein und es bietet sich eine herrlich klare Aussicht. Das Wetter wird zum Lotteriespiel. Aus diesem Grund hing auch unser geplanter Ausflug (Anfang Juli) zum Vulkan Irazú im Zentraltal, östlich der Hauptstadt San José, bis zuletzt in der Schwebe.

Grünes Licht gab erst ein genauer Wetterbericht, den wir kurz vor der Abreise einholten. Die lokale Infoseite: www.imn.ac.cr/especial/estacionVirazu.html zeigt - auch für ausländische Gäste sehr übersichtlich - die aktuellen Temperaturen, Windverhältnisse und die Wetterentwicklung der letzten Stunden am Irazú. Regenschauer wurden in unserem Fall erst für die späten Nachmittagsstunden prognostiziert. Wir wagten es! Die Information aus erster Hand half zusätzlich noch bei der Kleidungswahl - ein dicker Pullover kam noch mit in den Rucksack.

Der Irazú ist mit 3432 m der höchste Vulkan Costa Ricas. Sein Name stammt aus der indianischen Sprache und bedeutet soviel wie "grollender Berg". Es ist ein Schichtvulkan und einer der unberechenbarsten des Landes. Viele Male wurde uns von Einheimischen die Geschichte vom letzten, großen Ausbruch berichtet: Genau am 13. März 1963, als der US-Präsident, John F. Kennedy, Costa Rica einen Staatsbesuch abstattete, wachte der Vulkan Irazú nach 20 Jahren aus seinem Tiefschlaf auf und schleuderte "zur Begrüßung", wie die Ticos damals meinten, 500 Meter hoch Asche, Rauch und Lavageröll in die Luft. Die Felder der angrenzenden Bauern lagen brach, große Schäden entstanden und in San José musste sich die Bevölkerung mit Atemschutzmasken und Regenschirmen schützen. Der Aschenregen sollte zwei Jahre andauern, im Jahr 1994 wurde der bislang letzte Ausbruch des aktiven Vulkans verzeichnet.

Die Fahrt hinauf zum Vulkan

Ein halber Tag genügt für einen Besuch beim etwa 54 km (90 Autominuten) von San José entfernten Nationalpark Irazú. Zur Abrundung des Besuchsprogramms bietet sich für die zweite Tageshälfte ein Kurzbesuch in der 34km entfernten Stadt Cartago, der ehemaligen Hauptstadt von Costa Rica an, sowie eine Fahrt ins Orosi Tal.

Von Cartago, der ehemaligen Hauptstadt von Costa Rica, führt eine asphaltierte, kurvenreiche Strasse zum Nationalpark Irazú. Entlang einer malerischen Landschaft, vorbei an Kartoffel- und Zwiebelfeldern, Weideland mit Pferden und Holsteinkühen, Baumriesen mit Aufsitzerpflanzen und alten, einfachen Bauernhäusern erreichen wir das letzte, idyllische Dörfchen vor dem Gipfel - Tierra Blanca - mit einer schönen Aussicht über Cartago.

Landschaft am Vulkan Irazu

Landwirtschaft am Vulkan Irazu

Die Temperaturen nehmen mit zunehmender Höhe deutlich ab und die letzte Station, etwa einen Kilometer vor dem Ziel, ist das Wärterhäuschen am Eingang zum Nationalpark. Hier werden pro Person $10 Eintritt eingehoben. Gegen Aufzahlung von $5 können Besucher eine zusätzliche, einstündige Tour zum Parkabschnitt "Prusia" buchen, um dort Pflanzen und Vögel zu beobachten. Kontaktieren Sie am besten für weitere Infos dort direkt die Führer des Tourenverbandes von Irazú unter: Tel. (+506)8961 2367 (Christian Salazar) oder Tel. (+506) 8739 7436 (Diana Viquiez).

Bienvenidos am Irazu

Der bereits 1955 gegründete 2300 Hektar große Nationalpark Vukan Irazú ist auch bei den Einheimischen ein sehr beliebtes Ausflugsziel und wird daher an Wochenenden besonders stark frequentiert. Von San Jose wird täglich ein Bus geführt: Abfahrt in der Nähe des Nationaltheaters um 8.00 Uhr und Rückfahrt nach San Jose um 12.30 Uhr. Die Fahrtzeit beträgt zwei Stunden. Mit einem eigenen Mietwagen sind Sie wesentlich flexibler und können schon sehr früh, bei Öffnung des Parks, um 8.30 Uhr, vor Ort sein und besonders in der Regenzeit, die bessere Aussicht genießen. Der Park wird um 15.30 Uhr geschlossen. Danach dürfen sich Besucher nur mehr in Begleitung eines Führers im Schutzgebiet aufhalten. Das gilt auch für all jene, die eine Übernachtung in dem Gebiet einplanen, um sich bei Sonnenaufgang einen Panoramablick zu sichern.

Die Kraterlandschaft

Gleich neben dem Parkplatz befindet sich das Besucherzentrum mit sanitären Anlagen, Souvenirshop und einem Picknickplatz. Von hier aus führt ein Weg links zum "Cerro Alto Grande", dem schönsten Aussichtspunkt am Gipfel des Vulkans Irazú. Bei besonders klarer Sicht können Sie von hier aus beide Küstenstreifen, den Pazifik und den Atlantik, sowie im Norden den glitzernden See von Nicaragua, erkennen. Ein zweiter Spazierweg führt entlang von drei Kratern. Die üppige Vegetation rund um den ersten Krater zeigt, dass dieser schon viele Jahrzehnte erloschen ist.

Der Hauptkrater befindet sich etwa 500 Meter vom Besucherzentrum entfernt und ist bequem zu Fuß erreichbar. Bei unserer Ankunft blicken wir zunächst enttäuscht hinunter in eine dicke, weiße Nebeldecke. Der Krater lässt sich einzig durch den intensiven Schwefelgeruch vermuten. Doch wenige Minuten später, nach einem Stoßgebet zum Himmel, ertönt ein Jubelschrei: Der Nebel zieht auf! Im nächsten Moment blinzelt die Sonne durch die Wolken und wir können den 300 Meter tiefen Hauptkrater "Diego de la Haya" mit einem Durchmesser von 1 km und seinen blaugrünen Säuresee in voller Pracht bewundern.

blaugrüner Säuresee im Vulkan Krater vom Irazu

Der berühmte Astronaut, Neil Amstrong, behauptete einmal nach einem Besuch, dass der Vulkan Irazu, als einziger Ort auf der Erde, mit dem Mond vergleichbar wäre. Tatsächlich vermittelt die Umgebung des Kraters die Stimmung einer Mondlandschaft.

Mondlantschaft am Irazu

Die Asche des historischen Ausbruches der Jahre 1962-1965 hat die Erde rund um das Gebiet des Vulkans äußerst fruchtbar gemacht. Vereinzelt ist eine spärliche, aber sattgrüne und sehr artenreiche Vegetation erkennbar. Seltene Spezies von Hochgebirgspflanzen konnten sich den harschen Klimabedingungen in der Gipfelregion anpassen. Darunter auch leuchtend roten Blumen (siehe Bild unten links), die hier als erstes entdeckt wurden und deshalb den Namen: "castelleja irazunensis" tragen.

castelleja irazunensis am Irazu Costa Rica


Der Nektar dieser Blume zieht häufig den bekannten Bergjuwel-Kolibri an. Mit etwas Glück können Sie einen von ihnen im Nationalpark sichten oder auch Eulen, Stachelschweine, Füchse, Hasen oder Kojoten.

Am Picknickplatz machen wir noch die Bekanntschaft eines Weißrüsselbärs (span. "pizote"). Unser Freund und Vertreter einer seltenen Tierart hat sich offenbar schon an die regelmäßigen Besucher des Nationalparks gewöhnt. Seine Zutraulichkeit geht soweit, dass der Dreikäsehoch mit einem Satz auf den Tisch springt und sich mit seiner langen Schnauze eine Mahlzeit schnappt, um sie sich an Ort und Stelle gut schmecken zu lassen! Ein ulkiger Ausklang unseres Besuches auf dem Vulkan Irazú.

Weißrüsselbär (span. pizote) am Irazu



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