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Malaria, Dengue und Chikungunya in Costa Rica
04.09.2026
Stand September 2026
Zahlen zu Tropenkrankheiten veralten schnell. Deshalb hier ein neuer Stand statt einer stillen Korrektur im alten Text: Was das costa-ricanische Gesundheitsministerium und das Auswärtige Amt aktuell melden, was davon für dich als Reisende oder Reisenden wirklich zählt – und was sich gegenüber dem Jahresanfang geändert hat.
Die wichtigste Änderung vorweg: Chikungunya zirkuliert in Costa Rica wieder. Das war seit 2017 nicht mehr der Fall.
Chikungunya – zurück nach neun Jahren
Am 1. Juli 2026 hat das Ministerio de Salud einen aktiven Chikungunya-Ausbruch in Playa Langosta im Kanton Santa Cruz (Guanacaste) erklärt. Von 45 untersuchten Verdachtsfällen wurden zunächst vier bestätigt und 17 als wahrscheinlich eingestuft; betroffen waren sowohl Costa-Ricaner als auch ausländische Gäste. Das Ministerium hielt in derselben Mitteilung fest, dass es seit 2017 keine aktive Zirkulation dieses Virus im Land mehr gegeben hatte.
Danach ging es schnell. Innerhalb weniger Wochen stiegen die bestätigten Fälle landesweit von 11 auf 47. Guanacaste zählte 18 Fälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Playa Langosta, Alajuela 16 – davon allein 13 in der Gemeinde El Coyol. Dazu kamen Einzelfälle in Carrizal, Atenas und Grecia sowie importierte Fälle in Pavas und Belén de Heredia. Anfang August meldete die Sozialversicherung CCSS 438 Behandlungen wegen Chikungunya-Verdachts, während das Ministerium 48 molekular bestätigte Fälle führte.
Zwei Dinge daran sind für die Einordnung wichtig:
Erstens der Wechsel von importiert zu lokal. Die ersten Fälle des Jahres gingen auf Reisen nach Nicaragua zurück. Inzwischen überträgt die Tigermücke Aedes aegypti das Virus in den betroffenen Gemeinden selbst weiter. Die Leiterin der Gesundheitsüberwachung, Jennyfer González, hat das ausdrücklich bestätigt.
Zweitens der milde Verlauf bislang. Alle bestätigten Patienten wurden ambulant behandelt und erholten sich ohne Krankenhausaufenthalt. Chikungunya ist selten tödlich – die Belastung liegt woanders: Ein erheblicher Teil der Erkrankten hat noch Monate später Gelenkschmerzen. In der costa-ricanischen Berichterstattung wird dieser Anteil mit rund 30 Prozent angegeben.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat am 16. Juli einen Reisehinweis der Stufe 2 („verstärkte Vorsichtsmaßnahmen”) für Costa Rica ausgesprochen, mit Schwerpunkt auf Guanacaste. Das ist keine Reisewarnung. Jennyfer González hat klargestellt, dass daraus keine Empfehlung folgt, Reisen abzusagen – sondern konsequenter Mückenschutz für alle, die kommen. Die CDC rät allerdings Schwangeren von einer Reise ab, weil bei Neugeborenen schwere Verläufe möglich sind.
Auch das Auswärtige Amt führt den Ausbruch im Nordwesten Costa Ricas seit Juli 2026 in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen.
Dengue – deutlich mehr als im Vorjahr
Bis zur epidemiologischen Woche 32 des Jahres 2026 hat Costa Rica 3.437 Dengue-Fälle registriert. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 2.405 – also gut tausend Fälle mehr.
Die regionale Verteilung ist ungleich: Die Región Central Norte hat mit 1.050 Fällen die höchste absolute Zahl, die höchste Inzidenz liegt dagegen im Pacífico Central mit 240,2 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Zum Vergleich der Landesdurchschnitt in Woche 31: 58,5 Fälle pro 100.000. Am 24. August lagen fünf Menschen mit Dengue im Krankenhaus – einer in Alajuela, vier in Puntarenas.
Interessant ist der Jahresverlauf. Bis in den April hinein lag Costa Rica leicht unter dem Vorjahr. Ab Woche 17 durchbrach die Kurve den historischen Mittelwert und stieg seither anhaltend an; in Woche 31 lag der Zuwachs 26 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation PAHO hat parallel vor steigenden Zahlen in El Salvador, Honduras und Costa Rica gewarnt.
Praktisch heißt das: Wer zwischen Mai und November reist, trifft auf die Phase mit den höheren Zahlen. Wer die trockeneren Monate zwischen Januar und April wählt, reist statistisch günstiger – ohne dass Dengue dann verschwunden wäre.
Malaria – kleine Zahlen, klar begrenzte Gebiete
Bis Woche 31 zählte Costa Rica 74 Malariafälle im gesamten Jahr. Davon waren 37 importiert, überwiegend bei Personen aus Nicaragua. 20 Fälle gehen auf lokale Übertragung zurück – neun autochthon, elf eingeschleppt.
Die Bewertung ist zweischneidig: Gegenüber 2023 ist die lokale Übertragung um 94,7 Prozent zurückgegangen, gegenüber 2024 um 87,8 Prozent. Gegenüber 2025 hat sie sich allerdings verdoppelt. Das Ministerium führt ein laufend aktualisiertes Verzeichnis der Herde und wies zuletzt fünf aktive Herde und zwölf inaktive Restherde aus.
Wo diese Herde liegen, ist für die Reiseplanung wichtiger als die Gesamtzahl. Genannt werden in den Wochenberichten 2026 konkret:
- Los Chiles im Norden, mit den Orten San Gerardo und Medio Queso
- Horquetas de Sarapiquí
- Crucitas und El Roble im Distrikt Cutris
- die Región Huetar Caribe
Es handelt sich also um das Grenzgebiet zu Nicaragua und die Karibikseite. Nachgewiesen wird ganz überwiegend Plasmodium vivax, die mildere Form, die mit Chloroquin plus Tafenoquin behandelt wird.
Das Auswärtige Amt stuft die Hauptstadt San José und das übrige Land außerhalb der genannten Ausnahmen als malariafrei ein. Deutsche tropenmedizinische Stellen beschreiben für Reisende ein geringes saisonales beziehungsweise regionales Risiko in Heredia, Alajuela und Limón und halten eine vorbeugende Tabletteneinnahme oder ein Notfallmedikament derzeit nicht für erforderlich. Das Auswärtige Amt empfiehlt die Mitnahme einer Standby-Medikation nur für Gebiete mit mittlerem Malariarisiko, die mehr als 48 Stunden von der nächsten Diagnosemöglichkeit entfernt liegen – eine Konstellation, die auf klassische Costa-Rica-Rundreisen nicht zutrifft.
Wer Sierpe, die Osa-Halbinsel, Monteverde, Arenal, das Zentraltal oder die Pazifikküste bereist, bewegt sich nicht in einem Malariagebiet.
Was das für deine Reise bedeutet
Mückenschutz ist die eine Maßnahme, die gegen alle drei wirkt. Dengue, Chikungunya und Zika werden von Aedes-Mücken übertragen, und die stechen tagsüber. Das ist der Punkt, an dem die meisten Reisenden danebenliegen: Repellent gehört nicht nur an den Abend. Dünne Stoffe sind kein Hindernis, imprägnierte Kleidung hilft. Nachts, in den Malariagebieten im Norden und an der Karibik, kommt das Moskitonetz dazu – dort ist die Anopheles-Mücke dämmerungs- und nachtaktiv.
Impfungen gibt es inzwischen. Das Auswärtige Amt weist ausdrücklich darauf hin, dass Impfstoffe gegen Chikungunya und gegen Dengue existieren, und empfiehlt eine Beratung zum persönlichen Risiko. Ob eine dieser Impfungen für dich sinnvoll ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen, Reiseregion, Aufenthaltsdauer und – beim Dengue-Impfstoff – von einer eventuellen früheren Dengue-Infektion ab. Das gehört in ein Gespräch mit einem Tropenmediziner, nicht in einen Blogartikel. Plane den Termin früh genug ein.
Prüfe deinen Masernschutz. Costa Rica hat im Juli 2026 eine Warnung an eigene Reisende herausgegeben: In Amerika wurden dieses Jahr über 20.000 Masernfälle gemeldet. Im Land selbst gibt es keinen lokalen Ausbruch, aber fünf importierte oder importassoziierte Fälle. Empfohlen wird die Impfung mindestens zwei Wochen vor Abreise – das gilt in beide Richtungen.
Bei Fieber: sofort zum Arzt, und den Tropenaufenthalt erwähnen. Dengue, Chikungunya und Zika lassen sich klinisch kaum unterscheiden; Costa Rica setzt dafür den Trioplex-Test ein. Das Ministerium warnt ausdrücklich vor Selbstmedikation und nennt Bauchschmerzen und Erbrechen als Warnzeichen, bei denen sofort eine Gesundheitseinrichtung aufzusuchen ist. Auch nach der Rückkehr gilt: Fieber innerhalb weniger Wochen nach einer Tropenreise gehört ärztlich abgeklärt, und der Arzt muss wissen, wo du warst.
Der Blick auf die Karte lohnt. „Costa Rica hat Dengue” ist als Satz richtig und als Entscheidungsgrundlage wertlos. Guanacaste steht derzeit anders da als die Karibik, der Pacífico Central anders als das Zentraltal, und die Malariaherde im Norden haben mit deiner Lodge auf der Osa nichts zu tun. Wenn du wissen willst, was für deine konkrete Route gilt: frag uns.
Dieser Artikel gibt den Stand vom 4. September 2026 wieder und ersetzt keine reisemedizinische Beratung. Die Zahlen des Ministerio de Salud werden wöchentlich fortgeschrieben; für tagesaktuelle Werte siehe unten die urls zu den Boletines.
Quellen
- Ministerio de Salud de Costa Rica, Dirección de Vigilancia de la Salud: Boletines Epidemiológicos 2026 (wöchentlich) – https://www.ministeriodesalud.go.cr/index.php/biblioteca/material-educativo/material-publicado/boletines/boletines-vigilancia-vs-enfermedades-de-transmision-vectorial/boletines-epidemiologicos-2026
- Ministerio de Salud de Costa Rica: „Ministerio de Salud intensifica acciones preventivas ante brote de chikungunya en Playa Langosta, Santa Cruz” – https://www.ministeriodesalud.go.cr/index.php/prensa/67-noticias-2026/2572-ministerio-de-salud-intensifica-acciones-preventivas-ante-brote-de-chikungunya-en-playa-langosta-santa-cruz
- Ministerio de Salud de Costa Rica: „País registra cuarto caso de chikungunya” – https://www.ministeriodesalud.go.cr/index.php/prensa/67-noticias-2026/2407-pais-registra-cuarto-caso-de-chikungunya
- Delfino.cr, 26.08.2026: Dengue-Zahlen bis Woche 32 – https://delfino.cr/2026/08/costa-rica-acumula-3437-casos-de-dengue-en-2026-mas-de-mil-adicionales-respecto-al-mismo-periodo-del-ano-anterior
- Infobae Costa Rica, 22.08.2026: Dengue- und Malariazahlen zu Woche 31 – https://www.infobae.com/costa-rica/2026/08/22/costa-rica-alcanza-3052-casos-acumulados-de-dengue-y-detecta-un-repunte-de-malaria/
- Infobae Costa Rica, 09.08.2026: Chikungunya-Zirkulation und CCSS-Zahlen – https://www.infobae.com/costa-rica/2026/08/09/el-chikungunya-vuelve-a-circular-en-costa-rica-y-la-caja-del-seguro-social-reporta-438-atenciones/
- Infobae Costa Rica, 22.07.2026: Anstieg von 11 auf 47 Fälle, US-Gesundheitshinweis – https://www.infobae.com/costa-rica/2026/07/22/casos-de-chikungunya-en-costa-rica-suben-de-11-a-47-y-activan-una-alerta-sanitaria-de-estados-unidos/
- Infobae Costa Rica, 05.07.2026: Masernwarnung des Gesundheitsministeriums – https://www.infobae.com/costa-rica/2026/07/05/ministerio-de-salud-de-costa-rica-lanza-advertencia-a-viajeros-por-aumento-de-casos-de-sarampion-en-america-ya-se-reportan-mas-de-20-mil-contagios/
- US-Botschaft San José, Health Alert vom 13.07.2026 – https://cr.usembassy.gov/health-alert-u-s-embassy-san-jose-costa-rica-july-13-2026/
- Auswärtiges Amt, Costa Rica – Reise- und Sicherheitshinweise, Rubrik Gesundheit – https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/costarica-node/costaricasicherheit-224816
- Tropeninstitut.de, Reiseziel Costa Rica (Malaria-Risikoeinschätzung) – https://tropeninstitut.de/ihr-reiseziel/costa-rica
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