Feliz Año Nuevo – der Jahreswechsel in Costa Rica

31.12.2017 von Christine Dietz

Traditionelle Neujahrs-Rituale in Costa Rica

Wenn die Uhr Mitternacht schlägt und die Feuerwerkskörper den Nachthimmel hell erleuchten, bereiten sich tausende costaricanische Familien traditionell auf den Jahreswechsel vor.

Viele Rituale werden seit Jahrzehnten von einer Generation an die Nächste weitergegeben. So versuchen manche Ticos, ganz nach dem Vorbild Spaniens, 12 Weintrauben in weniger als 12 Sekunden zu verzehren. Andere zählen die Samen in den Trauben, um diese Zahlen in der Lotterie zu setzen.

In einigen Haushalten werden die Kühlschränke am Silvesterabend prall gefüllt, womit die Ticos ihre Hoffnung auf eine ausreichende Lebensmittel Versorgung im kommenden Jahr zum Ausdruck bringen. Viele Mütter verteilen als Glücksbringer ungekochte Kichererbsen oder Linsen.

La-Niguenta-1

Es stimmt, dass die Grenzen zwischen Tradition und Aberglaube in Costa Rica oft verschwimmen.

So gibt es tatsächlich Costaricaner, die mit einem Koffer um den Häuserblock laufen, in der Hoffnung im neuen Jahr auf Reisen zu gehen. Viele von ihnen tragen am 1. Januar gelbe Kleidung als Symbol für Freude und Glück und pflücken die veilchen-ähnlichen Santa Lucia Blumen. Diese bewahren sie in ihren Brieftaschen bei den Fotos auf, damit sie ihnen Liebe, Gesundheit und Geld bringen mögen.

Für die Ticos sind die Neujahrsbräuche ein kleiner Kompass inmitten der Gezeiten der Veränderung.

Die seit Jahrzehnten praktizierten Rituale schaffen etwas Dauerhaftes inmitten des Wandels des Lebens und dem unaufhaltbaren Lauf der Zeit. Die Bräuche sind auch ein Mittel, das Glück zu begrüßen und anzuerkennen, dass jeder Einzelne für das kommende Jahr viel Hilfe von Gott oder auch vom Schicksal benötigt, vielleicht sogar beim Kauf des richtigen Lottoscheins.

In der lateinamerikanischen und im Besonderen in der costaricanischen Kultur ist ein starker Bezug zwischen Glück und göttlicher Vorsehung spürbar.

In ihrem täglichen Leben benutzen die Ticos Aussprüche wie „por dicha“ („Gott sei Dank“), „si dios quiere“ („wenn Gott will“) und auch „ojala“, was etwa soviel bedeutet wie „na hoffen wir’s“.

Abseits von den individuellen religiösen Bräuchen in jedem costaricanischen Haushalt, tut es jedem Tico gut, am Glauben festzuhalten, dass das Leben etwas für jeden einzelnen bereithält. Vom Elendsviertel zur Mansion, vom gebildetsten zum ungebildeten Bürger scheinen in Costa Rica in der Silvesternacht alle in dieser Mystik vereint und mit dem guten Vorsatz, in Zukunft härter zu arbeiten und dafür vom Glück belohnt zu werden.

Willkommen also 2018! Wieder ein neues Jahr, das die Ticos nicht kontrollieren, nur bewältigen können – “Ojala!”

(Quelle/Foto: Tico Times, 29-12-2017, http://www.ticotimes.net/2017/12/29/ojala-a-costa-rican-sense-of-luck-2)

Christine Dietz

About 

Christine Maria Dietz Jahrgang 1966 lebt in San Jose, Costa Rica. Sie arbeitet für Pura Vida Travel als Administratorin, Übersetzerin und freie Autorin.

    Find more about me on:
  • googleplus

Kommentare